Die Rezession hat es ja nun vom Schreckgespenst und Dauertitelthema zum “ceterum censeo” aller angeblich Informierten gebracht – aber was wirklich werden wird aus dem neuen Jahr, das weiß immer noch keiner so recht. Grund genug, einmal über den Zeitungs Blogrand zu sehen. Folge 1: Lebt denn der alte Schumpeter noch?
Das wird 2009, Teil I
Schöpferische Zerstörung? Da war doch was!
Allorten werden Schutzschirme gespannt – über Banken, Automobilkonzerne und die Wirtschaft im allgemeinen. (Um was genau eigentlich abzuhalten, das da von oben kommt?). Nur die üblichen Verdächtigen aus den Reihen der konservativen Wirtschaftsforschung melden Bedenken an und erinnern an den guten alten Schumpeter und seine schöpferische Zerstörung: Die Rezession, heißt es dann, müsse ihr Werk tun – und das sei nun mal: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen, auf dass sich die Produktivkräfte neu sortieren und der Fortschritt zu seinem Recht kommt.
Die Schlechten
Soviel ist klar: Als erstes und am schlimmsten erwischt die Rezession die Branchen und Unternehmen, die Innovationen verschlafen, am Markt vorbeiproduziert und ineffiziente Strukturen konserviert haben. Wundert es wirklich jemanden, dass die Autobauer jetzt besonders leiden?
Die Guten
Richtig ist sicher auch, dass billigere Arbeitskräfte, Büros und Arbeitsgeräte Startups genauso helfen wie die aktuelle Schwäche der etablierten Konkurrenz – von Kellogg in den 1930ern bis zu Siebel in den 1990ern gibt es Beispiel dafür zuhauf. Und in der Vergangenheit sind gerade Unternehmen, die während einer Rezession ihre Investitionen in Werbung und Forschung hoch- statt zurückgefahren haben, als Gewinner aus ihr hervorgegangen. Die Guten profitieren also von der Rezession.
Will the real Schumpeter please stand up?
Aber hat der alte Schumpeter mit schöpferischer Zerstörung wirklich gemeint, Rezessionen sorgten durch Abschaffung des Alten, Schwachen, Überholten für Fortschritt? Nein. Anders herum wird ein Schuh draus: Die Ausbreitung von Innovation sorgt für Aufschwung, sagt er, Marktsättigung und Nachlassen der Innovationskraft für Abschwung – bis eine neue Innovation die Produktionsverhältnisse umwälzt, die alte Ordnung zerstört und das Spiel von vorn beginnt.
Der Kapitalismus und der Unternehmer
Der Träger der Innovation, die Zentralgestalt des Kapitalismus ist für Schumpeter dabei nicht der Kapitalist, sondern der Entrepreneur – der schöpferische Unternehmer Er handelt nicht aus Gründen der Gewinnmaximierung, sondern aus Gestaltungswillen. Und er verliert an Bedeutung, je mehr Konzernbildung und Mergermania (früher sagte man: Vertrustung) die Innovation von Personen lösen und in Forschungsabteilungen zu systematisieren versuchen. Mit zweifelhaftem Erfolg, sollte man hinzufügen. (Sagt da jemand “DaimlerChrysler”?) Nicht umsonst versuchen die Riesen heute so manches, um aus dem stahlharten Gehäuse der Bürokratie auszubrechen.
Erstes Fazit: drei Thesen
- Wir, die Entrepreneure, sollten unsere Chance zur Innovation nutzen.
- Die Großen zu beschirmen, hieße Innovation zu verhindern.
- Und das alles hat nichts, aber auch gar nichts mit konservativer Wirtschaftstheorie zu tun, sondern mit Menschen, mit Kreativität und mit Mut zu Aufbruch und Neuanfang.
Fortsetzung folgt
Schauen Sie wieder herein, wenn es heißt: Groß vs. klein, oder: Würden die Verhältnisse jetzt bitte auf die Tanzfläche kommen?

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