Wie wir zum Palomar5-Camp in Berlin kamen, was wir dort erlebt haben, und was uns das lehrt. Und warum es nicht genug von solchen Veranstaltungen geben kann.
Palomar5 und die Zukunft der Arbeit
Als wir im Juli Jonathan Imme kennenlernten, erzählte er uns von der Idee des Palomar5 Camp: 30 Menschen unter 30 aus aller Welt sechs Wochen lang zusammenzusperren, damit sie unabhängig von externen Einflüssen Ideen zur Zukunft der Arbeit entwickeln. Wir fanden das spannend, verrückt und ein bisschen beneidenswert (schließlich konnten wir uns altersbedingt nicht bewerben).
Ende Oktober rief Jonathan dann bei uns an und fragte, ob wir beim Prototyping für einige der Projekte im Camp helfen könnten. “Hell yeah”, sagten wir, und so waren Jan und ich im November für einige Tage auf dem Camp, halfen bei Konzeption, Interface-Design und Web-Entwicklung. Und waren für diese Zeit Teil eines so radikalen Gegenentwurfs zum üblichen Arbeiten, dass es uns nachdenken gemacht hat.
Während des Camps wurde im Netz viel diskutiert über das Konzept und seine Umsetzung – und am Ende gab es ebenso viele Stimme von Teilnehmern des Summit, die enttäuscht vom konkreten Output waren, wie es begeisterte Teilnehmer gab und hochzufriedenes Feedback vom Hauptsponsor. Auch wir waren nicht von allen Ergebnissen überzeugt – aber: That’s so not the point.
Was der Punkt ist: In einem Rahmen, der frei von konkreten Zielvorgaben und einengenden Organisationsprinzipien ist, hat sich in sechs Wochen eine Kultur der Zusammenarbeit, der Kreativität und, ja, der Menschlichkeit entwickelt, die jeden der Teilnehmer verändert hat (auch uns). Weil wir Ideen diskutiert haben, nicht Verwertungsmöglichkeiten, Ideale, nicht Notwendigkeiten. Natürlich kann aus sechs Wochen mit 30 Menschen nicht ein Strauß großer und gleichzeitig unmittelbar umsetzbarer Ideen entstehen – aber ein Reigen von Anregungen, von Erfahrungen, die weiter getragen werden, eine Idee davon, wie Arbeit aussehen kann, wenn man den Leidenschaften der “Arbeiter” Raum gibt. (Die summierte Arbeitszeit im Camp: ließe jeden Vorgesetzten vor Neid erblassen.)
Eins der Projekte nannte sich Show Me Love; das Thema war, wie man die Leidenschaft für das, was man tut, an den Arbeitsplatz zurückbringen kann. Was das Camp uns lehrte: Liebe zu dem, was man tut, lässt sich nicht erzwingen – sie ist eine Funktion der Freiheit, mit der man seine Arbeit konzipieren und organisieren kann. Ob das im Rahmen der “alten Wirtschaft” überhaupt möglich ist: eine offene Frage.
Ich war außerordentlich beeindruckt von der Offenheit, die Christopher Schläffer, Vorstand Produkt & Innovation bei der Deutschen Telekom, in seiner Keynote bewies: “The fuzzy frontend of innovation” (und die absolute Freiheit im Denken ganz am Anfang), meinte er, sei eine unbedingte Voraussetzung dafür, dass wirklich Neues entstehen kann. Konkrete Ergebnisse in sechs Wochen zu erzielen, so ließe sich das konkretisieren, sind nicht im Ansatz so wichtig wie es ist, eine Atmosphäre zu erfinden, in der in sechs, zwölf, vielleicht achtzehn Monaten das wirklich Neue enstehen könnte.
Wenn das Camp das erreicht hat: zu zeigen, wo die Möglichkeiten und die Herausforderungen liegen, um die Kreativität der “digital natives” fördern und nutzen zu können – dann hat Palomar5 mehr erreicht als alle Barcamps (zumindest hier, in Deutschland) zusammen. Und dann sollte es mehr Palomar5 Camps geben. Mehr Freiräume, mehr Möglichkeiten, ein anderes Arbeiten auszuprobieren – und damit mehr Raum für das Einüben echter Innovation.
Dass das alles wunderbar zu meiner Vorschau auf das Jahr 2009 passt: prima.
(Titelbild von palomar5 via flickr.)

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