Bei mindmatters arbeiten wir seit vielen Jahren mit einer kollegialen Führung. Das bedeutet: Keine Chefs, keine festen Hierarchien – dafür geteilte Verantwortung und ein hoher Grad an Selbstorganisation. Doch was passiert, wenn es keine Vorgesetzten gibt? Wie treffen wir kluge Entscheidungen, ohne uns in endlosen Diskussionen zu verlieren?
Die Antwort liegt in strukturierten Entscheidungsprozessen. Eine Methode zur Entscheidungsfindung, die sich in der kollegialen Führung bewährt hat, ist die Widerstandsabfrage. Sie ermöglicht schnelle, fundierte Entscheidungen, bei denen alle relevanten Perspektiven einfließen – ohne, dass das Team ins Chaos stürzt.
Kollegiale Führung bedeutet, dass Führungsaufgaben nicht an einzelne Personen gebunden sind, sondern dynamisch verteilt werden. Statt einer klassischen Hierarchie übernehmen Mitarbeitende situativ Verantwortung – je nach Rolle, Fachwissen und Erfahrung.
Doch Führung bedeutet nicht nur, Projekte voranzutreiben oder Verantwortung zu übernehmen. Es geht vor allem darum, Entscheidungen zu treffen. Und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen für selbstorganisierte Teams: Wie wird entschieden, wenn niemand das letzte Wort hat?
Ohne klare Hierarchie könnte man annehmen, dass bei uns jede Entscheidung basisdemokratisch getroffen wird – also durch Mehrheitsentscheidungen oder langwierige Diskussionen. Doch das ist nicht effizient. In der Praxis hat sich gezeigt, dass gute Entscheidungen dort getroffen werden sollten, wo die Expertise liegt und wo der Bedarf entsteht.
Daher arbeiten wir als kollegial geführtes Unternehmen nach verschiedenen Entscheidungsverfahren:
Eine Person entscheidet allein, wenn sie über die nötige Expertise verfügt.
Die entscheidende Person holt sich Rat von betroffenen oder erfahrenen Kolleg*innen.
Eine Entscheidung wird getroffen, solange es keinen schwerwiegenden Einwand gibt.
Die Option mit dem geringsten Widerstand wird gewählt.
Gerade die Widerstandsabfrage nutzen wir oft, wenn mehrere Teammitglieder betroffen sind oder unterschiedliche Perspektiven eine Rolle spielen.
Die Widerstandsabfrage ist ein systematischer Prozess, bei der wir nicht nach der „besten“ Lösung suchen, sondern nach der, die den geringsten Widerstand im Team hervorruft. Der Vorteil? Entscheidungen werden schnell und ohne Zwang getroffen, da niemand eine Lösung akzeptieren muss, die er oder sie nicht mittragen kann.
6. Auch der Ist-Zustand wird als Option einbezogen, um sicherzustellen, dass eine Veränderung wirklich gewünscht ist.
7. Entscheidung treffen: Die Option mit dem geringsten Widerstand wird umgesetzt. Falls mehrere Vorschläge ähnlich abschneiden, kann eine weitere Diskussion nötig sein, um die beste Lösung zu finden.
Die Widerstandsabfrage hat gleich mehrere Vorteile gegenüber klassischen Abstimmungen oder Konsensverfahren:
Niemand muss von der „besten“ Lösung überzeugt werden – es reicht, eine tragfähige Option zu finden.
Statt sich zwischen Dutzenden Möglichkeiten zu verlieren, wird die akzeptabelste Lösung gewählt.
Auch leise Stimmen haben Gewicht, da Widerstand sichtbar wird, ohne dass eine Person laut dagegen argumentieren muss.
Alle tragen die Entscheidung mit, weil sie nicht überstimmt wurden, sondern ihre Bedenken berücksichtigt wurden.
Falls sich später herausstellt, dass die Entscheidung nicht optimal war, kann sie mit wenig Aufwand angepasst werden.
Bei mindmatters haben wir gelernt: Selbstorganisation bedeutet nicht Chaos, sondern braucht Strukturen.
Die Widerstandsabfrage ist eine Methode zur Entscheidungsfindung, die uns hilft, schnell, effizient und mit hoher Akzeptanz Entscheidungen zu treffen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer kollegialen Führung und sorgt dafür, dass wir auch ohne klassische Hierarchien kluge, tragfähige Entscheidungen treffen.
Für Unternehmen, die hierarchiefreie Strukturen leben wollen, ist sie ein unverzichtbares Werkzeug für die tägliche Zusammenarbeit.