Ein Mindset für Disruption und digitale Produktentwicklung?

Eric

21. Juni 2022

Kennt ihr diese Reaktion, wenn ihr anderen davon erzählt, dass ihr in eurem Unternehmen für Digitalisierung zuständig seid? Hallt euch dann so ein spezielles Seufzen entgegen? Eines, in dem diese Verbundenheit einer Schicksalsgemeinschaft mitschwingt... ähnlich wie bei The Walking Dead. So eine Art Seufzen, das sagt: Oh je, er/sie also auch.

Dieses Seufzen habe ich früher häufig erlebt, als ich beim Thema Digitalisierung noch auf der Kundenseite saß. Bevor ich Teil von mindmatters wurde, habe ich in Verbänden und Unternehmen diverse Projekte rund um Digitalisierung betreut. Von Datenbank über Digital Workplace bis hin zu digitalen Workflows war vieles dabei.

Heute begleite ich bei mindmatters unsere Kund*innen beim gegenseitigen Kennenlernen und ersten Austausch - also den “early steps” rund um ein gemeinsames Projekt. Vor allem mein Mindset hilft mir dabei zu versuchen, das jeweilige Problem zu verstehen und gemeinsam herauszufinden, wie mindmatters bei der Lösung unterstützen kann. Welches Mindset das ist?

Am Anfang weiß man zwar meist wo man hin will, aber gar nicht, wo man eigentlich hin muss!

Als ich früher Projekte rund um digitale Veränderung angestoßen habe, half es mir von einer spezifischen Frage auszugehen: Was, wenn das Gegenteil meiner Ideen richtig wäre? Das ist ein wichtiger Aspekt bei einem solchen Projekt: Es gibt keinen einzig wahren Weg. Es geht vielmehr darum, viele Ideen zuzulassen sowie verschiedenste Thesen zu explorieren und validieren.

In Anlehnung an Karl Popper ("Alles Leben ist Problemlösen") kann man Digitalisierung gut und gern erst einmal als Problem definieren, das gelöst werden soll. Demnach gilt: Erst einmal anfangen! Nur so kommen wir dahin, wo wir eigentlich hin sollen. Bei mindmatters bin ich auf die Idee “change by product” gestoßen. Das hat sofort bei mir resoniert. Im Text meiner Kolleg*innen stand:

Neue digitale Produkte durchlaufen meist ganz natürlich alle Bereiche eines Unternehmens und bringen unterschiedliche Abteilungen, Teams und Kund*innen in einen Dialog. Auf diesem Weg entsteht Digitalisierung, Schritt für Schritt. Und nur auf diesem Weg ist Euer Unternehmen in der Lage, Digitalisierung aktiv selbst zu gestalten. Denn ganz gleich ob es dabei um Euer Kernprodukt oder etwas ganz Neues geht - bezogen auf Euer Unternehmen ist der Effekt immer derselbe: Die Zusammenarbeit strukturiert sich um das Produkt herum neu. Das ist der Kern von “change by product”.

Pragmatismus ist ein guter Wegbegleiter für die Entwicklung digitaler Produkte!

Egal wie starr der Dienstleister, egal wie uneinsichtig die Stakeholder um mich herum, für mich galt schon immer: Lasst mich mit Technik spielen. Ich werde schon auf Probleme stoßen, die mich und das Projekt weiterbringen. Wir sollten stets an Ideen feilen und neu entstehende Abzweigungen in den Blick nehmen.

Der größte Fehler, den wir bei digitalen Produkten machen können, ist, aufhören zu spielen und damit beginnen, uns zu sorgen. Und hier kommt das Tolle an der agilen Softwareentwicklung zum Tragen: Validierung zu einem frühen Zeitpunkt und konstantes Userfeedback machen das Produkt stetig besser und minimieren Risiken.

Wichtig für Digitalprojekte ist die notwendige Bereitschaft zu lernen. Man gestaltet Produkte zum Ausprobieren. Und ehrlich gesagt: Nie erhält man besseres Feedback, als wenn etwas nicht funktioniert.

Das richtige digitale Produkt ist Angriff auf die Ordnung der Dinge!

Douglas Adams hat für den Umgang mit technischen Neuerungen einmal gesagt: Alles was bei der Geburt existierte ist normal. Alles was bis zum 30. Geburtstag erfunden wird, wird als Chance begriffen. Und alles was nach dem 30. Geburtstag erfunden wird, ist eine potentielle Gefahr für den Status Quo und die Ordnung der Dinge.

Personen die Innovation und Change auf Unternehmensseite aktiv vorantreiben, eint in der Regel, dass sie ihre Projekte rund um digitale Prozesse mögen - bei allem Seufzen. Sie wollen neue Ideen entwickeln und zukunftsorientierte Projekte vorantreiben. Deshalb stellen sie jeden Prozess, der sie betrifft, in Frage. Und sie hören stets die gleichen Antworten diese Fragen: "Das machen wir schon immer so." Manchmal ertappt man ja sogar selbst dabei diesen Satz auszusprechen. Klar, etwas Neues zu schaffen ist Aufwand und wahrscheinlich meistens der schwerere Weg.

Umso erstaunter war ich, als ich hier bei mindmatters schon in der ersten Woche zum ersten Mal das hörte, was sonst meine Lieblingsantwort darauf ist: “Ja, ist doch super. Dann haben wir ja die Chance etwas Neues zu machen."

Und diese Mentalität ist wichtig. Bei transformierenden Projekten wird das (Hinter-)Fragen nie aufhören und von vielen Stakeholdern kommen. Denn es ist wie mit einer technischen Erfindung nach dem 30. Geburtstag: Ein Angriff auf die Ordnung der Dinge. Umso wichtiger, dass man Verbündete hat, die ebenfalls alles Leben als Problemlösen begreifen!

Und wenn nichts mehr hilft, hilft manchmal nur noch er: ¯\_(ツ)_/¯

Das ist schon okay!